Du gehst viral! Leider nicht im positiven Sinne! Vergiss nie, Mist ist auch DĂŒnger!

Jeder trĂ€umt davon, „viral“ zu gehen. Die Menschen verbreiten Deine Neuigkeiten und Du musst nichts dafĂŒr bezahlen. Gratiswerbung. Aber das kann auch nach hinten los gehen. Mist ist DĂŒnger, entscheidend ist, ob man darauf Unkraut spiessen lĂ€sst oder reiche Ernte einfahren kann.

Es ist der 10.06.2019, ein Nationalrat der SVP aus dem beschaulichen Dorf am Mutschellen hat die Telefonnummer einer Lehrerin auf Twitter geteilt. Erboste BĂŒrger teilten nun der Lehrerin, die ihren Job gemacht hat, ihren Unmut mit. Und nun trifft den Politiker ein Echo, wie er es sich sicherlich nicht erhofft hat. Er sei sich keiner Schuld bewusst, kann man einer grösseren Tageszeitung entnehmen. Fail! Die Sympathien liegen nun eindeutig bei der Lehrerin. Und die Parteileitung schweigt.

Shitstorm, was tun?

Ganz einfach, gib keinen Grund einen Shitstorm zu verursachen. Anstand hilft, Freundlichkeit hilft, ruhig und besonnen bleiben ebenfalls. Dennoch, wer sich in den Medien und in der Öffentlichkeit bewegt und seine Meinung Ă€usserst, seine Leistung anpreist oder Wissen vermittelt, der lĂ€uft in die Gefahr ins Visier zu geraten. Und Aussitzen funktioniert leider nicht wirklich.

1. Kritik an der Sache und Kritik an der Person

Lass Kritik an der Sache, Kritik an der Meinung zu. Aber wehre Dich unbedingt gegen Angriffe auf Dich als Person. „Wir sind offen fĂŒr jegliches konstruktive GesprĂ€ch und bieten Hand fĂŒr eine Lösung, gerne setzen wir uns zu diesem Thema zusammen“. Das könnte man auch dem Politiker empfehlen: Kritisiere die Sache, nicht die Person.

2. Sofort reagieren

Wahlkampf und Krampf, ein Video eines Youtubers hat eine gestandene Partei bei der Europawahl frontal erwischt. Sofort reagieren ist wichtig. Aber auch gekonnt reagieren. Manche Reaktionen verstĂ€rken den Effekt noch, vor allem wenn sie spĂ€t oder falsch kommen. Wie ich so schön zu wiederholen Pflege, „Verantwortung tragen bedeutet, die Antwort vor der Frage zu kennen“.

3. Der Kritik recht geben

Das mĂŒssen wir nicht diskutieren, das ist auch keine SchwĂ€che. Es ist die Anerkennung des Kritikers und des Inhalts. „Ja, das ist eine interessante Sichtweise, ja, da haben wir uns ungeschickt verhalten, Ja, das kann man besser machen, ja, das haben wir nicht beachtet, ja, wir anerkennen diesen Standpunkt“. Ein Shitstorm entsteht, wenn Menschen nicht nur Inhalte aber auch Meinungen teilen.

4. Aktivieren Deine Community

Blase aber nicht zum Gegenangriff. Schaffe Offenheit und Transparenz. Lege offen, dass Du in der Kritik stehst, dass Du die Kritiker und Kritik ernst nimmst, dass Du Massnahmen getroffen hast. Du verfĂŒgst ĂŒber ein CRM, hast einen Newsletter, benutzt Twitter, hast Facebook, LinkedIn, Xing und Instagram oder gar Snapchat? Volle Breitseite Antwort. Nutze die Gunst der Stunde und der Awareness. Du hast nicht nur Feinde, du hast auch Freunde und Fans die zu Dir stehen. Informiere und aktivieren diese.

Erinnerst Du dich: Die besten Beziehungen entstehen in der Krise!

Aber fĂŒhle dich jetzt nicht verleitet, Ziel eines Shitstorms zu werden. Im Gegenteil, seien vorbereitet und agiere clever.

PrÀvention und Monitoring

Wer ist bei Dir fĂŒr die Kommunikation verantwortlich? Wer ist fĂŒr die Reaktion im Falle eines Shitstorms zustĂ€ndig? Wie hast Du diesen Prozess geregelt?

  1. Bestimme einen Sprecher
    Von Vorteil ein Mitglied der GeschĂ€ftsleitung, der im Namen der Firma auftritt. Gib dem „Opfer“ einen Namen, ein Gesicht und eine IdentitĂ€t. Vermeide dabei eine Person aus dem Legal, dem Verkauf oder dem Marketing zu benennen. Diese Personen sind leider in Krisen oft nicht glaubwĂŒrdig da ihr Job im Verkauf oder in der Abwehr liegt. Nimm jemanden aus der Forschung, der Entwicklung, der Logistik. Lese jemand aus, mit dem sich die Menschen identifizieren können. Der SCM-Manager oder COO sind hier glaubwĂŒrdig. Aber sie mĂŒssen auch einverstanden sein.
  2. Trainieren deinen Sprecher
    Mache ein gutes Training mit der Person. Gib der Krise, wenn möglich, nicht das Gesicht des CFO oder CEO. Es sei denn, die Verantwortung liegt tatsÀchlich bei dieser Person. Trainiere die Botschafter oder schick sie ins Training.
  3. Zugangsdaten bereit halten
    Jetzt hast Du einen Sprecher, nun muss er auch Posten können. Das ist social Media. Es ist ein 24/7 Job. Vielleicht braucht es einen Piketdienst fĂŒr Medien, der wöchentlich neu aufgeteilt werden muss. Stellen Dir vor, es ist Donnerstagnachmittag vor Karfreitag, Du bist auf einer Bergtour ohne Netz und jetzt … wenn das Unternehmen erst am Dienstag nach Ostern reagiert? Wenn Du hier nicht eine Lösung bieten kannst, ist es vielleicht auch zu frĂŒh um aktiv mit Social Media zu arbeiten. „There is no free meal“, bist Du Social Media ist es mit 09.00 bis 17.00 fertig.
  4. Halte eine aufrechte Entschuldigung bereit
    Du musst einen „Sorry-Post“ bereits auf Vorrat besitzen. Ein ehrlicher Aufruf, eine ernst gemeinte Stellungnahme in denen Du die Werte Deines Unternehmens hervorhebst und auf Dein Leitbild oder Deinen Kodex verlinken kannst. Der Post sollte fĂŒr alle sozialen Medien bereit sein.
  5. Lösche nie die Ursache
    Editiere die ursprĂŒngliche Nachricht im Sinne „hier stand eine Mitteilung, die offensichtlich zu Unklarheiten fĂŒhrte. Um nicht noch mehr Verwirrung hervorzurufen haben wir diesen Post gelöscht. Den ursprĂŒnglichen Beitrag und unsere Stellungnahmen finden Sie unter dieser Webadresse.“ Und dann setze ein PDF auf die Webadresse. Ein PDF? Ja, ein PDF, etwas, was nur als Ganzes wieder geteilt werden kann.
  6. Trainiere Deine Mitarbeiter
    Deine glaubwĂŒrdigsten Botschafter sind Deine Mitarbeiter. Auch die grösste Gefahr sind Deine Mitarbeiter, und vor allem die ehemaligen Mitarbeiter. In menschlichen Beziehungen kann es zu Differenzen und MissverstĂ€ndnissen kommen. Das lĂ€sst sich nicht vermeiden. Aber sehr wohl lĂ€sst sich beeinflussen, wie damit umgegangen wird. Bei einer guten Unternehmenskultur bleiben Unternehmen meist auch von Sabotage verschont. Und wenn Deine Mitarbeiter aktiv in den sozialen Medien unterwegs sind (ich hoffe, Du unterstĂŒtzt das auch), sind es auch Deine Warner, was uns zum nĂ€chsten Punkt fĂŒhrt.
  7. Richte Alerts ein
    Der Klassiker ist sicher Google Alerts. Aber es gibt auch etliche andere Anbieter, eine Suche zum Thema Buzz, Alert, Mediatool. Richte diese Alerts ein, fĂŒr alle Medien und KanĂ€le die Du bedienst (ich hoffe Du bedienst alle). Optimal nutzt Du eine gesonderte Mailadresse fĂŒr diese Nachrichten, bei denen die EntscheidungstrĂ€ger direkt informiert werden.
  8. Sichere dich ab
    Hol Profis an Bord. Eine Kommunikationsagentur zum Beispiel. Manchmal lassen sich Aufgaben auch aufteilen. Du bestimmst aufgrund Deiner Risikoanalyse den Umfang Deiner Absicherung. Wenn Du schon beim Risiko bist, analysieren Sie auch die Chancen von Social Media und entwickele dazu, falls Du noch keine haben, eine effektive Strategie dazu.
  9. Leistung hat einen Preis
    Vieles im Internet ist noch immer kostenlos. So auch meine Tipps. Aber umsetzen kostet. Gute Tools kosten. Gute Beratung kostet. Gute Leistung kostet. Du bestimmst aufgrund deiner Anforderung, deiner Erwartung und Deinem Input auch den Preis fĂŒr die Leistung, die du erwartest. Viele Kontakte um Viral zu gehen bekommst du bereits fĂŒr wenig Geld. Gute Kontakte um bei einem Shitstorm wenn möglich mit Erfolg statt blauem Auge davon zu kommen kostet. Du musst ein Netzwerk aufbauen, du musst einen Prozess bestimmen, du musst Templates vorbereiten, du musst allenfalls mit einer Agentur zusammenarbeiten. Du kannst auch eine Cyberversicherung abschliessen. Du hast die Wahl. Aber nicht zu wĂ€hlen kann Dich bei einem Shitstorm kalt erwischen. Bist Du bereit, diesen Preis zu bezahlen?

Wenn Du davon trÀumst viral zu gehen, schauen, dass Du es auf eine gute Art und Weise machst. Halte Deine Werte hoch, halte Deine Werte fest.

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